Barrierefreie Kunstvermittlung ermöglicht es Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit, Kunst nicht nur visuell, sondern durch andere Sinne zu erleben – etwa durch haptische Erfahrungen, Beschreibungen per App oder taktile Modelle. Davon können auch wir Fernassistent:innen viel lernen – und eines Tages vielleicht selbst durch unserer TOWER App eine Museumstour führen. Hier haben wir erstmal einige Beispiele zusammengestellt, die zeigen, wie Museen blinden und sehbehinderten Menschen Kunst erfahrbar machen:
Aktuelle Museen mit inklusiven Angeboten
Grimmwelt Museum in Kassel
„Sei es die flüsternde DORNENHECKE, der magische sprechende Spiegel oder die Schimpfwortmaschine ÄRSCHLEIN – die Dauerausstellung der GRIMMWELT ist mit allen Sinnen erlebbar.
Neben einem Tastmodell direkt am Eingang verfügt die GRIMMWELT über einen Audioguide mit Audiodeskription auf Deutsch, der an der Kasse erhältlich ist, oder direkt und kostenfrei als App aus dem Google Playstore oder dem Apple Appstore heruntergeladen werden kann.“Â
https://www.grimmwelt.de/de/barrierefrei
Hamburg – „Museum zum Anfassen“ Serie
Der Museumsdienst Hamburg bietet das Format „Museum zum Anfassen“ in vielen Häusern: Im Altonaer Museum, Archäologischen Museum Harburg, Hamburger Kunsthalle, Internationalen Maritimen Museum und weiteren können Besucher*innen Objekte nicht nur sehen, sondern auch erfühlen, riechen oder hören. Diese Führungen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Museumsdienst Hamburg
Berlin – Geschichte und Kunst barrierefrei
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- Berlinische Galerie: Mit Bodenleitsystem, Tastmodellen, inklusivem Audio‑Guide, Führungen in einfacher Sprache und Gebärdensprache ermöglicht dieses Haus vielfältige Zugänge zur Kunst. visitBerlinhttps://www.aktion-mensch.de/
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- Deutsches Historisches Museum: Bietet öffentliche Führungen mit Bildbeschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen, Audiodeskriptionen, Braille, Gebärdensprache und einfache Sprache. Deutsches Historisches Museum (DHM)
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- Jüdisches Museum Berlin: Führungen mit Klang- und Tastangeboten; alle Räume sind rollstuhlgerecht. visitBerlin
Bayern – Vielfalt in Vermittlung
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- Galerie Bezirk Oberbayern (München): Inklusive Ausstellungen mit Tastführungen, Führungen in leichter Sprache, Gebärdensprache und kreativen Workshops. inFranken.de
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- Abgussmuseum München: Taststationen für Skulpturen, Audioerklärungen via QR-Code, Braille-Texte und Gebärdensprach-Führungen – barrierefrei und digital zugänglich. München
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- Haus der Kunst & Lenbachhaus (München): Beide bieten Rundgänge für blinde und sehbehinderte Besucher*innen; barrierefreie Zugänge, Aufzüge und rollstuhlgerechte Einrichtungen. München
Freiburg – Haus der Graphischen Sammlung
Das Museum zeigt erstmals dreidimensionale Minidioramen grafischer Werke, die speziell für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurden – ein inklusiver Ansatz, der große Anerkennung fand. Inklusion | Freiburg Museen
Hannover – Blindenmuseum
Das Blindenmuseum Hannover ist einzigartig in Deutschland: Über 6.000 Exponate – inklusive reliefartiger Modelle, Braille-Schreibgeräte, Globen und Hilfsmitteln – lassen Besucher*innen die Welt der Blindheit historisch-haptisch erleben. Das Blindenmuseum Hannover – Hannover.de
Hamburg – Dialoghaus / Dialog im Dunkeln
Im Dialoghaus Hamburg erleben Besucher*innen in Dunkelräumen die Perspektiven von Menschen mit Sehbehinderungen – geführt von blinden Guides – und erfahren Kunst in völliger Dunkelheit. Dialog im Dunkeln: Einzigartige Erfahrung in Hamburg | Dialoghaus
Inklusion durch Kunstvermittlung – selbst zu Kunstvermittler:innen werden
Das Projekt „So geht inklusive Kunstvermittlung“ zeigt inspirierende Wege, wie Menschen mit Behinderungen selbst zu aktiven Kunstvermittler:innen werden – z. B. als ausgebildete Guides oder Multiplikator:innen. Das stärkt Teilhabe und schafft neue Perspektiven in Museen. Echt klasse! DEUTSCHE KONGRESS
Kunstschaffende mit Sehbehinderung oder Blindheit
Es existiert eine vielfältige Szene von blinden und sehbehinderten Künstler:innen, die in Bildhauerei, Malerei oder Installation arbeiten – sowohl in inklusiven Kontexten als auch institutionell wahrnehmbar. Projekte wie „Art Blind“ zeigen eindrucksvoll deren kreative Potenziale. Blinde und Kunst
Es würden den Rahmen dieses Blogs sprengen eine Vielzahl an blinden Künstlerinnen und Künstlern vorzustellen. Hier zum Beispiel eine Liste an 10 Gemälden von sehbehinderten Künstlern und Künstlerinnen.
Aber auch „private Talente“ kann man finden. So wurden wir via Instagram auf die wunderbare Jana aufmerksam, die mit 7 Jahren ihre Leidenschaft für Malerei erkannte, aber zeitgleich auch die Diagnose bekam, dass ihre Sehkraft immer schwächer wird. Jetzt, als erwachsene junge Frau hat sie 2% Sehkraft und ist gesetzlich blind. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und malt wunderschöne Ölgemälde, von Monet inspiriert mit Screenreader-Beschreibungen und anderen Methoden. Schaut herein: https://www.instagram.com/janas.blinde.kunst/
Kennt ihr blinde oder sehbehinderte Künstler und Künstlerinnen? Schreibt uns gerne in den Kommentaren!
Wie wir als Fernassistent:innen daraus lernen können
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- Achtsame Beschreibung: Professionelle Schulungen (z. B. bei barrierefreier Kunstvermittlung) lehren uns, Kunst detailreich, sinnlich und emotional zu beschreiben – eine Fähigkeit, die wir auch digital umsetzen können.
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- Multisensorische Ansprache: Wir können bewusst auf Klang, Textur, Bewegung und Atmosphäre eingehen – nicht nur Bild, sondern den „Raum“ beschreiben.
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- Unterstützung durch Apps: Wenn wir durch eine App „live“ ins Museum vermittelt werden könnten, könnten wir haptisch nicht Begreifbares durch bildreiche Sprache und Analogien ersetzbar machen.
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- Selbst aktiv werden: Durch entsprechende Fortbildungen könnten wir selbst Vermittlerinnen werden – als Stimme oder Bildbetrachterinnen im Museum.
Wir konnten schon einmal eine Telefon-Führung in der Caricatura-Galerie (Galerie für komische Kunst in Kassel) durchführen: »Die Zukunft in Cartoons« auch per Telefon :: SEK-News – Online-Zeitung für den Schwalm-Eder-Kreis
Ein erster Schritt für TOWER Fernassistenz auch Kunstvermittlung zu betreiben!
Fazit
Barrierefreie Kunstvermittlung zeigt, wie Kunst jenseits von Sehen erlebbar wird – durch Tasten, Hören, Fühlen und Inklusion. Diese Methoden sind nicht nur inspirierend für Museen, sondern auch für uns Fernassistent:innen: Mit sorgfältiger Sprache, Sinnlichkeit und Engagement können wir zu inklusiven Kunstvermittler:innen werden – vielleicht schon bald selbst „live“ aus dem Museum mit der TOWER App in eurer Tasche!
Eine Leserin dieses Beitrags hat uns eine Mail mit interessanten Zusatzinformationen zu diesem Thema geschickt. Zum einen hatte sie erwähnt einen Podcast gehört zu haben, der über blinde Gäste im Neanderthal-Museum berichtete. Sie wusste den Namen des Podcasts nicht mehr, so habe ich etwas recherchiert und es könnte sich um diesen, von „Pro Retina-Podcast“ handeln. Hier ein Link: https://www.youtube.com/watch?v=-xLLiUfWs7A
Auch hat sie geschrieben, dass es schon länger das riesengroße Projekt
„Bei Anruf Kultur“ vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg,
gefördert durch die Aktion Mensch, gibt. Fast täglich gibt es eine telefonische Führung durch irgendein hochinteressantes Kunsthaus:
Museum, Gedenkort, Stadtführungen, Freilichtdorf oder Hof…
Hier der Link zu den Infos: https://www.beianrufkultur.de/projekt
Danke an die interessierte Leserin für diese wertvollen Infos! Nun ab in die Museen! 🙂